Der Prinz im Drachenkostüm (Drachengeschichte für Kinder)

König Heinrich der Fünfzehnte herrschte auf der Burg Winterfels. Er war bei seinem Volk sehr beliebt, denn er beschützte das Dorf vor den fürchterlichen Drachen.

Die Dorfälteste, Fräulein Otilia von Plappermaul, sprach oft von den Drachen. Mit finsterer Stimme schimpfte sie: „Als die Abendsonne am Horizont verschwand konnten wir sie von weitem fliegen sehen. Noch heute kann ich die lauten Flügelschläge der fürchterlichen Drachen hören. Ihre Haut war aus ledrig grünen Schuppen. Sie spuckten große Flammen und stahlen mit ihren scharfen Krallen die leckeren Wildschweine aus der Vorratskammer. Bald werden die Drachen wiederkehren. Dann kann keiner sagen ich hätte euch nicht gewarnt!“

Doch König Heinrich antwortete: „Unsinn! Seit ich in diesem Königreich herrsche hat sich kein Drache in die Nähe von Burg Winterfels getraut.“ Schon seit vielen Jahrzenten hatte das Volk von Burg Winterfels keine Drachen mehr gesehen. So lebten die Bewohner ein friedliches und ruhiges Leben. Man hörte nur von den fürchterlichen Drachen, wenn das alte Fräulein Otilia von Plappermaul zum Tanztee einlud und die alten Geschichten wieder erzählte.

„Das Leben auf Burg Winterfels ist ganz schön langweilig“, meckerte Prinz Paulus. Er war der jüngste Sohn von König Heinrich. Vom Volk wurde er Paulchen genannt. Weil er so klein war, durfte er nicht an der Ritterausbildung teilnehmen. „Du bist nicht zum Ritter geeignet, Paulchen. Ritter sind groß und stark.“, erklärte König Heinrich.

Das machte den jungen Prinzen sehr wütend. Schließlich wurden seine großen Brüder längst zum Ritter geschlagen. Auch wenn die stärksten Männer der Burg loszogen um auf dem Markt leckere Wildschweine zu kaufen, musste Paulchen zu Hause bleiben. Dies war nämlich keine einfache Aufgabe. Auf dem Weg zum Markt befand sich ein reißender Fluss, den die tapferen Ritter mit Booten überqueren mussten. Das wäre ja viel zu gefährlich für das kleine Paulchen. Außerdem aßen die Bewohner der Burg sehr gerne Wildschweine. Darum schickte König Heinrich nur die stärksten und tapfersten Ritter zum Wildschweinkauf.

Paulchen hingegen wurde nur zum Tanztee von Fräulein Otilia von Plappermaul eingeladen. So geschah es auch an jenem Sonntagnachmittag, als Fräulein Otilia die Bewohner von Burg Winterfels zum Kaffeekränzchen lud. Es war inzwischen Winter geworden und Paulchen dachte: „Es ist so bitterkalt. Bei Fräulein Otilia ist es warm und es gibt leckeren Kuchen.“ So ging der kleine Prinz gelangweilt zum Tanztee, als plötzlich König Heinrich in den Thronsaal stürmte. Er tobte: „Ich rufe den Notstand aus! Der große Fluss ist zugefroren! Wir können unmöglich zum Markt rudern um Wildschweine zu kaufen. Schon in zwei Tagen findet das große Ritterfest statt und wir haben keine Wildschweine mehr. Der Ritter, der es schafft bis zum Ritterfest fünfzehn leckere Wildschweine zu bringen, wird von mir höchstpersönlich zum Ehrenritter von Burg Winterfels ernannt.“ Prinz Paulchen spitzte aufgeregt die Ohren. Doch sein ältester Bruder prustete: „Du kannst nicht mal ein Wildschwein tragen Paulchen, wie willst du einen gefrorenen Fluss überqueren?“

Prinz Paulchen hat eine Idee

Doch Paulchen ließ sich nicht einschüchtern. Fest entschlossen marschierte er aus dem Rittersaal. Er hatte eine Idee! Er erinnerte sich an die Drachengeschichten, die Fräulein Otilia beim Tanztee erzählte. Sie handelten von riesigen Drachen. Sie spuckten Feuer, das so heiß war, dass sie damit die ganze Burg niederbrannten. Bestimmt könnten die Drachen mit ihrem Feuer den gefrorenen Fluss auftauen. Außerdem wusste er, dass die verfressenen Drachen am liebsten Wildschweine verspeisten. Sicher könnte er ihnen ein gutes Angebot machen.

Aber wie könnte er die Drachen dazu bringen ihm zuzuhören? Er dachte: „Die fürchterlichen Drachen wohnen in dunklen Höhlen und haben sehr schlechte Augen. Wenn ich mich gut verkleide, kann ich die Drachen bestimmt überlisten.“

So bastelte Paulchen eine Drachenmaske mit scharfen Zähnen. Dann schlich er sich heimlich in das Schlafgemach von Fräulein Otilia und stahl eines ihrer Nachthemden. Er schnitt das Hemd in zwei Hälften und bastelte sich damit Drachenflügel.

Auf dem Weg zu den Drachen

Mutig stapfte der kleine Prinz im Drachenkostüm zum Drachenfelsen. Paulchen spürte wie seine Knie zitterten. Langsam schlich er zum Eingang der Höhle und schielte hinein.

Er sah fünf riesengroße Drachen an einem Lagerfeuer. Vorsichtig räusperte er sich und schon schauten die Drachen auf. Der größte rief: „Komm nur herein, Fremder!“

Paulchen zupfte noch einmal sein Drachenkostüm zurecht und trampelte mit festen Schritten in die Höhle. „Guten Abend, Drachengenossen!“, polterte er. „Ich bin Drache Paulus der Starke und brauche eure Hilfe.“

Der riesige Drache erwiderte: „Wie können wir dir helfen, Winzling?“

Paulchen erklärte: „Als ich hungrig durch die Wälder zog, auf der Suche nach einem leckeren Bissen, begegnete ich ein paar Rittern. Sie versprachen mir leckere Wildschweine, so viele wie ich nur fressen könnte. Ich soll ihnen helfen den großen Fluss aufzutauen.“

Da scherzte der Drache: „Wieso hast du denn nicht die Ritter aufgefressen?“ Paulchen antwortete: „Ritter schmecken lecker, das ist wohl wahr. Aber denkt nur an die vielen saftigen Wildschweine. Wäre das nicht ein Festschmaus?“

Die verfressenen Drachen schauten sich gegenseitig an. Der dickste von ihnen rief: „Oh, Wildschweine sind wirklich lecker. Was denkt ihr, Drachenbrüder?“ „In der Tat, da kann man nicht nein sagen!“, erwiderte ein anderer.

Und so folgten die fünf Drachen dem verkleideten Paulchen zum gefrorenen Fluss. Schon von Weitem hörte man die aufgeregten schreie von Fräulein Otilia von Plappermaul: „Hört, Hört! Die Drachen sind unterwegs!“ Und so stürmten alle Bewohner der Burg nach draußen. Doch was sie da sahen überraschte sie sehr. Das kleine Paulchen – gefolgt von fünf riesengroßen Drachen. Ohne zu zögern spuckten die Drachen riesige Flammen und das Eis im großen Fluss begann zu schmelzen. Schon bald konnten die Ritter von Burg Winterfels den Fluss überqueren. Natürlich brachten sie bei ihrem Besuch auf dem Markt auch Wildschweine für die fünf Drachen mit. Die Drachen bedankten sich und flogen mit den Wildschweinen im Maul davon. Noch immer staunte das Volk. Dank Paulchen feierten sie ein großes Ritterfest.

Auch König Heinrich der Fünfzehnte erschien zum Fest. Er rief den kleinen Prinzen zu sich und sprach: „Du hast großen Mut bewiesen. Ich werde dich zum tapferen Ehrenritter schlagen. Von nun an sollen die Leute dich „Prinz Paulus der Drachenstarke“ nennen. Das Volk von Burg Winterfels applaudierte.

Prinz Paulus der Drachenstarke hatte bewiesen, dass auch kleine Prinzen große Drachen zähmen können.


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